// Ghostwriting – ein alltägliches Geschäft

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// Ghostwriting – ein alltägliches Geschäft

von Andreas Kaizik

Beim Ghostwriting handelt es sich für uns in den meisten Fällen um einen Textauftrag wie jeder andere. Wenn es um ganze Bücher geht, dauert die Erledigung nur eben etwas länger. Insbesondere im Bereich Sachbuch und Ratgeber, in dem unserer Erfahrung nach recht häufig Ghostwriter/-innen zum Einsatz kommen und den wir hier auch vorrangig betrachten wollen, zählen vor allem die Professionalität und die schreibhandwerkliche Erfahrung der Ghostwriterin/des Ghostwriters. Hier ist das Ghostwriting ein alltägliches Geschäft zwischen Dienstleister/-in und Kundin oder Kunde. (Wenn wir im Folgenden von Autorinnen oder Autoren sprechen, sind übrigens diejenigen gemeint, die die Idee für das Buch hatten und deren Namen am Ende auf dem Buch stehen werden.)

KONZEPTION
Am Anfang steht immer die Konzeption des Buches. Dabei ist das Thema genauso wichtig wie die Zielgruppe. Denn für die Bestimmung der Buchinhalte ist es wichtig zu wissen, wer damit angesprochen werden soll. Wenn die Zielgruppe und das Thema umrissen sind, werden zunächst alle Inhalte, die in dem Buch besprochen werden sollen, in groben Zügen und stichpunktartig zusammengetragen. Meist gibt die Autorin/der Autor diese Inhalte vor, in der Regel macht die Ghostwriterin/der Ghostwriter dann Vorschläge für inhaltliche Ergänzungen, Erweiterungen oder auch Präzisierungen und Reduzierungen.

Zur Konzeption des Buches gehört auch die Entscheidung, in welchem Stil das Buch verfasst werden soll: sachlich, seriös, erzählerisch, leichtgängig, provokant, emotional, wissenschaftlich, heiter, humorvoll usw. usf. Und natürlich wird in diesem Zusammenhang auch der Umfang des Buches festgelegt. Bei allen Entscheidungen wird die Ghostwriterin/der Ghostwriter die Autorin/den Autor beraten und begründete Vorschläge machen. – Was hier in wenigen Sätzen beschrieben ist, erfordert allerdings in Wirklichkeit viel Recherche, Nachdenken, Abwägen, Diskutieren, Zeit und viele Entscheidungen.

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Sind Stil, Umfang und Inhalte festgelegt, entwickelt die Ghostwriterin/der Ghostwriter aus den gesammelten Stichworten eine erste grobe Kapitelstruktur. Diese wird dann mit der Autorin/dem Autor durchgesprochen und überarbeitet, bis eine Variante vorliegt, mit der alle Beteiligten einverstanden sind. Die Ghostwriterin/der Ghostwriter beginnt dann, für jedes Kapitel eine Feinstruktur anzulegen, um die Inhalte für das Kapitel und deren Reihenfolge zu konkretisieren. Um nun den „Stoff“ für das Buch zusammenzutragen, haben Autor/-in und Ghostwriter/-in mehrere Möglichkeiten:

INHALT UND ZUSAMMENARBEIT
Wenn die Autorin/der Autor sehr klare und detaillierte Vorstellungen davon hat, was in dem Buch stehen soll, dann ist es sinnvoll, wenn sich die Ghostwriterin/der Ghostwriter die Inhalte auch tatsächlich weitestgehend von ihr oder ihm liefern lässt, um sie dann in Buchform zu bringen. Üblich ist zum Beispiel, dass Autor/-in und Ghostwriter/-in sich in regelmäßigen, größeren Abständen treffen und die Autorin/der Autor kapitelweise die Inhalte erzählt, die mit einem Diktiergerät mitgeschnitten oder schriftlich protokolliert werden. Alternativ liefert die Autorin/der Autor Notizen, Ideen und Informationen in schriftlicher Form. Normalerweise entwickelt sich in beiden Fällen schnell ein intensiver Austausch zwischen Autor/-in und Ghostwriter/-in, da es immer Rückfragen, Vorschläge und Klärungsbedarf gibt. (Hier ist die Grenze zur Koautorschaft also fließend, die man zum Beispiel von Prominenten kennt, die ihre Memoiren gemeinsam mit einer Journalistin/einem Journalisten schreiben. Dann stehen aber oft beide auf dem Titel: Autor/-in und Koautor/-in.)

Später extrahiert die Ghostwriterin/der Ghostwriter aus dem von der Autorin/vom Autor gelieferten Material die für das Buch relevanten Inhalte, bringt diese in die zuvor festgelegte Struktur und macht daraus ein Kapitel. Dafür ergänzt sie/er etwaige inhaltliche Lücken, streicht Überflüssiges, macht aus dem vorhandenen Textmaterial lesbare Sätze, überprüft die Richtigkeit der Informationen und die Schlüssigkeit der Argumente, recherchiert geeignete Quellen und etwaige Gegenargumente, stellt Bezüge zu vorigen Kapiteln her, löst ggf. auftretende Widersprüche auf, spinnt den roten Faden des Buches weiter und bringt das Ganze sprachlich in Form. So entsteht Stück für Stück, Kapitel für Kapitel ein Buch, das gedanklich zu großen Teilen dem Kopf der/des genannten Autorin/Autors entspringt und dem die Ghostwriterin/der Ghostwriter zu einem professionellen Erscheinungsbild verhilft.

Hat die Autorin/der Autor jedoch noch keine klaren und detaillierten Vorstellungen von den Inhalten des Buches, können diese auch direkt von der Ghostwriterin/vom Ghostwriter geliefert werden. Dieses Vorgehen eignet sich insbesondere, wenn ein/-e Ghostwriter/-in in dem Fachgebiet, das im Buch behandelt wird, bereits viel Erfahrung hat und gut beurteilen kann, welche Inhalte je nach Zielsetzung und Zielgruppe in das Buch gehören und was für eine Art Buch die Kundin/der Kunde, also die Autorin/der Autor, erwartet. Diese Variante bietet sich auch an, wenn Autor/-in und Ghostwriter/-in bereits häufig miteinander gearbeitet haben, sodass beide sichergehen können, dass die Ghostwriterin/der Ghostwriter auch ohne viel Input das Gewünschte schreibt. So reduziert sich für die Autorin/den Autor der Aufwand natürlich erheblich. In jedem Fall kommt es hier auf eine besonders genaue Abstimmung der Inhalte im Vorfeld an, damit am Ende auch tatsächlich das Buch herauskommt, das der Autor sich vorgestellt hat. Die Ghostwriterin/der Ghostwriter arbeitet sich also selbstständig in das Thema ein, recherchiert die erforderlichen Informationen, eignet sich die notwendigen Kenntnisse an und schreibt auf dieser Grundlage das Buch, ohne von der Autorin/vom Autor direkt Inhalte geliefert zu bekommen. Die Autorin/der Autor erhält dann den fertigen Text (entweder kapitelweise oder das gesamte Buch). In der Regel gibt es dann noch mehr oder weniger umfangreiche Änderungswünsche der Autorin/des Autors, die die Ghostwriterin/der Ghostwriter in mehreren Korrekturdurchgängen umsetzt. – Die Autorin/der Autor hat in dieser Variante also vor allen Dingen seine Buchidee eingebracht, die Umsetzung leistet zu großen Teilen die Ghostwriterin/der Ghostwriter.

IN DER PRAXIS
In der Praxis treten häufig auch Mischformen aus diesen und weiteren Arbeitsmethoden auf. Wenn eine Autorin/ein Autor sich zum Beispiel in bestimmten Teilaspekten seines Buches sehr gut auskennt oder zu einem Thema eine besonders mutige These vertritt, dann liefert sie/er hierzu selbst die Inhalte, lässt von der Ghostwriterin/vom Ghostwriter aber die Teile des Buches, bei denen die eigenen Ambitionen vielleicht nicht so groß sind, überwiegend selbstständig schreiben.

Letztlich finden Ghostwriter/-in und Autor/-in jeweils ihre ganz individuelle Form der Zusammenarbeit. Die Bandbreite reicht von Autorinnen und Autoren, die mit ihren Ghostwriter/-innen schon seit vielen Jahren zusammenarbeiten, mit ihnen nur noch Thema und Umfang des gewünschten Buches kurz besprechen und dann erst wieder zum Abgabetermin des Manuskriptes mit ihrem Buch zu tun haben, bis zu Autorinnen und Autoren, die eher notgedrungen eine Ghostwriterin/einen Ghostwriter einschalten, weil es ihnen an den schreiberischen Fähigkeiten oder schlicht an der erforderlichen Zeit mangelt, und die sehr viel Herzblut in die Arbeit stecken und möglichst einen großen Eigenanteil leisten wollen.