Texte

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// Einfach Lesen

// Einfach Lesen

von Sandra Thiele

Der Lebenshilfe Berlin e. V. stellt auf seinem Blog Literatur in Einfacher Sprache vor.

„Kann man auch mit einfachen Worten gut Geschichten erzählen?“ Die Betreiber*innen des Blogs Einfach Lesen beantworten diese Frage ganz klar mit einem Ja. Da es aber insgesamt noch immer viel zu wenige Bücher in einfacher Sprache gibt, haben sie sich diesem Thema gewidmet und stellen regelmäßig die neuesten Publikationen vor – Krimis, Liebesgeschichten, Abenteuerromane, aber auch Erzählungen (unter anderem „Die Verwandlung“ von Franz Kafka) und Kurzgeschichten (zum Beispiel von Horst Evers „Für Eile fehlt mir die Zeit“).

Außerdem lesen die Redakteur*innen Geschichten vor – aus aktuellem Anlass vorwiegend über Zoom –, schreiben selbst kleinere Texte und Geschichten, berichten von Lesungen und führen Interviews – allesamt in Einfacher oder Leichter Sprache.

Das finden wir gut, weil auch Menschen Zugang zu Büchern haben sollen, denen das Lesen schwerer fällt als anderen. Hier geht’s zum Blog: Einfach Lesen.

Auch der Spaß am Lesen Verlag und der edition naundob Verlag geben Bücher und Zeitungen in Einfacher Sprache heraus: Für alle, denen lesen (auf Deutsch) schwerfällt.

// Verästelte Musik mit gewagten Harmonien

// Verästelte Musik mit gewagten Harmonien

von Andreas Kaizik

Vor 55 Jahren ist der US-amerikanische Jazzmusiker Eric Dolphy gestorben. Aus diesem Anlass zitieren wir hier einen Text, den ich vor einigen Jahren für „The Beat Goes On: Kalendarium toter Musiker“ (Suhrkamp) geschrieben habe.

Eric Dolphy war ein bescheidener Mensch, der die Musik liebte und Engstirnigkeit ablehnte: Gegenüber einem Journalisten weigerte er sich, Rock’n’Roll als minderwertige Musik einzustufen. Statt zu urteilen, spielte er – Altsaxofon, Querflöte und Bassklarinette. Seine Virtuosität auf allen drei Instrumenten ist unfassbar, am erstaunlichsten ist jedoch, was er spielte: Es klingt, als würden seltsame Geschichten aus seinen Instrumenten sprudeln und als müsste er dafür ständig neue Töne erfinden.

Dolphy übte wie besessen, verschlang Musiktheorie und saugte musikalisches Wissen auf, wo es nur ging: „Beim Üben haben mich oft Vögel begleitet. Dann habe ich aufgehört mit dem, was ich gerade übte, und habe mit den Vögeln gespielt, und meine Viertel-Töne habe ich ihnen auch abgelauscht – sie haben Noten, die zwischen unseren Noten liegen, und ich versuche, das zu imitieren, was sie von Natur aus tun.“

Heraus kam eine verästelte Musik mit gewagt aus den Harmonien herausfallenden Figuren. Das ist gewöhnungsbedürftig, aber hörbar: „Ich betrachte mein Spiel als tonal, und obwohl ich Töne spiele, die in einer vorgegebenen Tonart unpassend erscheinen mögen, empfinde ich sie als passend.“ Das Publikum war teils anderer Meinung oder einfach überfordert und erfand den blöden Begriff „Anti-Jazz“.

Dolphys Mitspieler schätzten ihn als unerschöpfliche Quelle der Inspiration und liebten den sanften, besonnenen Mann, der weder trank noch Drogen nahm: Charles Mingus reagierte auf die Nachricht aus Berlin, wo Dolphy im Juni 1964 im Alter von knapp 36 Jahren an den Folgen einer nicht diagnostizierten Diabetes starb, gewohnt heftig und behauptete, die deutschen Ärzte hätten ihn ermordet. Letztlich war Mingus jedoch genauso erschüttert wie John Coltrane, der die wohl passendsten Worte fand: „Was immer ich sagen könnte, wäre nur untertrieben, er war eine der größten Persönlichkeiten, die ich je kennengelernt habe – als Mensch, als Freund und als Musiker.“